Ziel des Research Check ist es, Euch regelmässige Updates zu neuen und interessanten Forschungsthemen aus dem Bereich Simulation, Debriefing, Teamzusammenarbeit und Patientensicherheit zu geben und diese zu kommentieren.

Research Check 04/19

Leistungsbewertung in der Notfallsimulation

Schmutz J et al. Structured performance assessment in three pediatric emergency scenarios: a validation study. J Pediatr 2015; 166:1498-1504

Die Beurteilung der Ausführung bzw. Problembewältigung von Notfallszenarien im Team wird oft von einzelnen erfahrenen Kliniktrainern durchgeführt. In einer von der Schweizer Nationalen Wissenschaftsstiftung geförderten Validierungsstudie wurden nun „objektive“ Leistungsbewertungs-Checklisten auf ihre Gültigkeit und Zuverlässigkeit hin untersucht.

Im Rahmen eines aufwendigen fünfstufigen „Delphi-Verfahren-ähnlichen“ Prozesses wurden Leistungsbewertungs-Checklisten (PECs) für die drei Szenarien: Herz-Kreislauf-Stillstand / Pulslose Kammertachykardie (PVT), Dyspnoe mit Sauerstoffentsättigung nach Intubation (DOPES) und „respiratory syncytial virus“ (RSV) entwickelt. Diese wurden anhand von 50 videodokumentierten Szenarien an 7 deutschen Krankenhäusern („in-house simulation training“; PAEDSIM  www.paedsim.org) auf ihre Gültigkeit und Zuverlässigkeit hin geprüft. Die Validität der PECs für die beiden ersten Szenarien war hoch, für RSV jedoch nicht. Letzteres wurde als Ausdruck der Limitationen einer Simulation an der Reanimationspuppe gewertet. Bei einer RSV verschlechtert sich der Patient eben schleichend. Weder Änderungen der Hautfarbe und des Muskeltonus noch zunehmende Dyspnoezeichen können mit der existierenden Technik ausreichend „simuliert“ werden. Zudem ist das RSV-Szenario weniger algorithmusbasiert als die beiden anderen Szenarien.

Kommentar: Zweifellos können PECs in den meisten Fällen eines Simulationstrainings die Ausbildungsqualität verbessern helfen. Dies gilt gleichermaßen für die zu Trainierenden wie auch die Trainer. Wünschenswert sind gültige und zuverlässige Bewertungschecklisten für relevante Szenarios. Die Erstellung dieser wie auch deren dynamische Anwendung ist sicher aufwendig und herausfordernd. Dem unermüdlichen Schaffensdrang dieser internationalen „Arbeitsgruppe“ – diesmal mit Schweizer, Deutscher und US-amerikanischer Beteiligung – gilt meine volle Bewunderung.

Wiederholtes Reanimationstraining steigert die Qualität

Braun L et al. Retention of pediatric resuscitation performance after a simulation-based mastery learning session: a multicenter randomized trial. Pediatric Critical Care Medicine 2015; 16:131-138

Die Fachgesellschaften unterstützen die flächendeckende Umsetzung des Simulationstrainings als effektive Methode in der Ausbildung zur Herz-Kreislauf-Wiederbelebung. Im Rahmen einer Multicenterstudie aus den USA, publiziert in Pediatric Critical Care Medicine, wurde der Frage nachgegangen: In welchen Zeitabständen sollte ein Training wiederholt werden?

In dieser randomisierten prospektiven Untersuchung wurden 42 angehende Kinderärzte beobachtet. Alle Ärzte erlangten im Rahmen eines Basistrainings in vier standardisierten Simulationsszenarien eine definierte geprüfte Qualifikation. Die vier Szenarien hypovolämischer Schock, Asystolie, respiratorisches Versagen und Mekoniumaspiration betrafen jeweils junge Säuglinge. Anschließend erfolgte eine Wiederholungstestung in unterschiedlichen Zeitintervallen. Nach 2 Monaten bestanden 92%, nach 4 Monaten 71% und nach 6 Monaten nur noch 56% der Ärzte die im Basistraining geforderte Ausgangsqualifikation.

Kommentar: Das Ergebnis überrascht nicht. Allerdings war das Ausgangstraining mit nur 1 bis 2 Stunden Dauer reichlich kurz bemessen, das Trainingsteam bestehend aus dem einzelnen zu prüfenden Arzt und einer Pflegekraft unrealistisch übersichtlich und im Protokoll wurden auch nur harte Fakten wie zeitlich korrekt durchgeführte Perfusionskontrolle oder Sauerstoffverabreichung mit Punkten bewertet. Ein soft-skill wie Kommunikation im Team fand offensichtlich keinen Eingang in die Ausbildung bzw. Re-Testung. Zu fordern ist ein intensiveres Basistraining in realen Teams am Arbeitsplatz, gleichermaßen ob in der Klinik oder in der Praxis. Die Wiederholung dieser Trainings muss regelmäßig erfolgen, z.B. in 3-6 monatlichen Abständen. Limitierende Faktoren im klinischen Alltag sind leider immer noch in vielen Einrichtungen fehlende Reanimationsmodelle, kompetente Instruktoren und die Einsicht, dass diese konkurrenzlose Maßnahme zur qualitätssteigernden Teamentwicklung unumschränkt in die übliche Arbeitszeit verankert gehört.

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Wir möchten darauf hinweisen, dass die Auswahl und Interpretation der gewählten Studien die persönliche Meinung des Verfassers spiegeln und entsprechen nicht zwingend der Meinung des Netzwerk Kindersimulation e.V. Vielen Dank an Thomas Hoppen für diese Kurzinterpretation.